Die antike Poesie und Frömmigkeit stellen Dich, Herr, als den Pelikan dar, der mit seinem Schnabel seine Brust aufreißt, um seinen Jungen Nahrung zu geben. Wir sind gerade solche unbefiederten Küken und versammeln uns um das Kreuz, aus dem Du den lebensspendenden Strom Deines Blutes vergießt. Wir trinken, um nicht zu sterben. Unser Durst treibt uns dazu, Deine Liebe ruft uns, die nichts anderes will, als sich zu schenken.
Über den Kontinenten tobt der Wüstenwind und mit beispielloser Wut weht der Hass. Die Völker - verschiedene Familien der einen Menschheit - reihen sich gegeneinander mit empörter Willenskraft, sich gegenseitig zu vernichten. Die Wissenschaft, die uns hätte erleuchten sollen, dient dem Blutvergießen und bereitet die Waffen dafür vor. Man lebt in der Besessenheit universellen Untergangs, und die Zukunft, anstatt zu locken, erschreckt wie eine leere Tiefe. Es scheint uns, dass wir sterben: unter dem Ausbruch von Drohungen, im Streit der falschen Propheten, die sich in Klugheit überbieten, während sie sich vom Evangelium abgewandt haben.
Hilf uns! Kehre zurück! Wir erfahren jetzt am Körper und im Herzen den Beweis, dass wir ohne Dich nur Spreu sind, die vom Wind verweht wird. Mach aus unserem Land - aus jedem Land - ein Volk, das Dein Blut der Versöhnung und des Friedens verkündet, so dass wir in einer zerrütteten Welt eine Oase geistlichen Lebens sein können. Vereine alle Völker mit unserer Liebe und Solidarität und versammle sie um Deinen Altar wie die Stämme Israels um die einzige Bundeslade. Befreie uns von dieser Last der Angst und des auslöschenden Verlangens, diesem Wahnsinn nach menschlichem Blut, diesem Hunger und dem verfluchten Durst, indem Du wieder die Wirkung Deines erlösenden Werkes durch Dein Blut ausbreitest.
Herz, gekrönt mit Dornen, erhebe unseren Geist, der von der Aggressivität der Sinne niedergebeugt ist. Sei das einzige Herz der Welt. Reiche uns Deine durchbohrte Hand: denn wie Du siehst, wir ertrinken.
In unserer Mutlosigkeit halten wir uns an Dein Kreuz. Kreuze uns mit Dir, denn wenn der Mensch des Hasses und der Schuld, der in unserem Inneren verborgen ist, getötet wird, werden wir mit Dir auferstehen - erneuert, bereit, für Dich aus unserem Leben eine Stätte Deines friedlichen Verweilens zu machen. Kreuz Christi, rette uns, Blut des Herrn, heile uns, verbirgt uns in Deinen Wunden, wasche unseren Schmutz von uns.
Bearbeitet nach: Das Blut Christi (Igino Giordani, 1937)